cl Luigi Giussani

Gemeinschaft und Befreiung

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Predigt von Don Julián Carrón

Beerdigungsfeier von Manuela Camagni

San Piero in Bagno, 29. November 2010

Julián Carrón

„Niemand lebt sich selber und niemand stirbt sich selber” (Rm 14,7). Die Worte des heiligen Paulus helfen uns in diesem Augenblick des Schmerzes, das bis ins Letzte wahrzunehmen, was wir jetzt feiern: Die Beerdigung unserer lieben Schwester und Freundin Manuela. Wer mit ihr den Nachmittag und dann den Abend mit den Freunden vor ihrem Tod verbracht hat, beschrieb sie als heiter, froh und strahlend. Und dieses Bild bleibt vor unseren Augen. Denn diese Ausstrahlung war ein Zeichen, eine Frucht der Reife ihrer Berufung. Was uns der heilige Paulus soeben gesagt hat, das heißt „niemand lebt sich selber und niemand stirbt sich selber”, bedeutet, dass wenn wir leben, dann leben wir dem Herrn. Und wenn wir dem Herr leben, wie sie, dann führt uns der Herr zu einer Fülle und Freude, zu einer Fröhlichkeit, die alle unsere Vorstellungen übersteigt.

Gerade weil wir Christus am Werk gesehen haben, wie Er einen Menschen ergreift, wenn Er ihn zu sich ruft, um ihn an seinem Leben teilhaben zu lassen, an seiner Fülle – wenn wir Ihn also am Werk gesehen haben, dann können wir nicht umhin, die Wahrheit der weiteren Aussage von Paulus anzuerkennen: „Wenn wir sterben, sterben wir dem Herrn.“ Derjenige, der in der Ausstrahlung Manuelas aufschien, ist derjenige, der jetzt in ihrem Tod aufscheint. Deshalb können wir den Tod mit derselben Gewissheit, mit derselben Sicherheit betrachten, mit der wir Ihn im Antlitz unserer Freundin gesehen und berührt haben. Wir verstehen wirklich die tiefe Bedeutung dieser Worte, meine Freunde! „Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende.“ Sein Leben und Sein Tod rufen dieselbe Botschaft aus. Und wenn wir Christus in unser Leben einlassen, dann führt uns der Herr zu einer solchen Fülle, wie wir sie in ihr gesehen und berührt haben. Dies ist nicht unsere Einbildung, das Christentum ist nicht ein Gedanke oder Gefühl von uns, sondern das, was wir als Werk Gottes in Manuela erkennen konnten. Ihr Tod und ihr Leben rufen die Bedeutung ihrer Berufung aus: Die Hingabe an Christus erlaubt es uns, allen Menschen zuzurufen – und nun ruft uns dies auch ihr Tod zu - dass nur Christus das Leben des Menschen ganz erfüllen kann.

Christus ist der einzige Grund, zu leben und zu sterben. Und Christus ist derjenige, der es uns erlaubt, zu einer solchen Fülle zu gelangen, dass wir dem Tod ohne Angst begegnen können. Heute können wir gewiss sein, dass Er Manuela für immer in Seine Gemeinschaft aufnimmt. Denn wir haben gesehen, wie Er sie während des Lebens in seiner Weggemeinschaft an sich gebunden hat.

Dessen sind wir gewiss, und in diesem Augenblick des Schmerzes können wir nur dankbar sein, zutiefst dankbar, dass wir das Glück haben, Christen zu sein. Wir haben das Glück, die tiefe Bedeutung des Lebens und des Todes zu kennen, wie uns dies unsere Freundin bezeugt hat.

  LAST UPDATE 24.12.2010 Impressum