cl Luigi Giussani

Gemeinschaft und Befreiung

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Die Ansprache von Papst Franziskus zum Sinn von Weihnachten

Brief von Julián Carrón (Präsident der Fraternität von Comunione e Liberazione)

„la Repubblica“
23. Dezember 2013
Seite 43

 

 

Sehr geehrter Herr Direktor,
hat uns Weihnachten noch etwas zu sagen, angesichts der Notwendigkeiten des täglichen Lebens, die wir mit allen unseren Mitmenschen teilen und die scheinbar jegliche Hoffnung zunichte machen? Geht es nur um eine Erinnerung, die angenehme Gefühle weckt, oder geht es um die Nachricht von einem Ereignis, das in unsere Lebenswirklichkeit einzudringen vermag?

„Gott ist mit uns: das ist der Grund unserer Hoffnung. Doch es gibt etwas, das noch überraschender ist. Die Gegenwart Gottes inmitten der Menschheit hat sich nicht in einer idealen oder idyllischen Welt ereignet, sondern in dieser realen Welt. Um uns aus dem Staub unseres Elends und unserer Schwierigkeiten emporzuheben, hat Gott für sich ausgewählt, unsere Geschichte in ihrer realen Form zu teilen, mit dem ganzen Gewicht all ihrer Grenzen und Dramen.“ (Franziskus, Generalaudienz, 18.Dezember 2013). Diese Worte des Heiligen Vaters habe ich mir in den letzten Tagen oft in Erinnerung gerufen, um mich auf das große Ereignis von Weihnachten vorzubereiten.

Das Geheimnis fordert uns „in dieser realen Welt“ fortwährend heraus, ohne bei dem, was es tut, zu schwanken. Gott wählt daher diese Umstände, die unseren Augen klarer vor Augen führen können, wer Er ist und welche außergewöhnliche Neuheit er in der Welt hervorbringen kann. Dies müsste uns alle freuen, denn es bedeutet, dass es nun keine Situation und keinen Moment des Lebens oder der Geschichte mehr gibt, der Gott daran hindern könnte, etwas Neues zu schaffen. Wie fordert uns das Geheimnis nun heraus?

In den Lesungen vor Weihnachten liest die Kirche erneut die großen Ereignisse aus der Geschichte des Volkes Israel und zeigt uns so, wie Gott in der Geschichte eingreift. Zum Beispiel werden uns zwei unfruchtbare Frauen vor Augen geführt, die keine Kinder gebären können: eine Frau aus Zora und Elisabeth (die dann zu den Müttern von Simson, dem Verteidiger des Volkes Israel, und von Johannes dem Täufer, dem Vorläufer Christi, werden; vgl. Richter 13,2-7.24-25a und Lukas 1,5-25). Es sind zwei Frauen, die die Dinge nicht irgendwie „in Ordnung bringen“ können. Mit keiner noch so genialen Idee könnten sie sich zu Müttern machen. Es geht um etwas Menschenunmögliches. Auf diese Weise will Gott ihnen klar machen, dass Ihm alles möglich ist und es somit möglich ist, nicht zu verzweifeln, und dass niemand behaupten kann, verlassen, vergessen oder zu etwas verurteilt zu sein, worin er eine Rechtfertigung finden könnte, die Hoffnung zu verlieren. Nichts ist unmöglich für Einen, der derartige Dinge tut: zwei unfruchtbare Frauen zu Müttern zu machen. Ihre unvorhersehbare Mutterschaft stellt die größtmögliche Herausforderung für die Vernunft und die Freiheit jedes Einzelnen dar. Es gibt keine Situation, keine Beziehung und kein menschliches Zusammenleben, das sich nicht ändern könnte. Und wenn jemand angesichts seiner Geschichte resigniert hat, so fordert der Herr von neuem seinen Mangel an Hoffnung heraus.

„Dein Gebet ist erhört worden“, sagt der Engel zu Zacharias, „deine Frau Elisabeth wir dir
einen Sohn gebären: dem sollst du den Namen Johannes geben.“ Das Evangelium definiert dies als „freudige Nachricht“, weil wir nicht zum Skeptizismus verurteilt sind und nicht vom Scheitern all unserer Versuche zu Boden gedrückt werden. Und es geht nicht nur um eine Verheißung, sondern auch um deren Erfüllung, denn in der Tat wird der Sohn geboren werden! Diese Fakten verkündigen all jenen, die sich selbst gegenüber zumindest einen letzten Faden der Zärtlichkeit bewahrt haben, dass eine Veränderung möglich ist, denn Gott ist nichts unmöglich. Es reicht Ihm, in uns ein verfügbares Herz vorzufinden.

Wenn wir diese Macht Gottes in unser Leben hineinlassen, wird es, wie das des Zacharias, von Freude erfüllt sein: „Große Freude wird dich erfüllen.“ Dies gilt nicht nur uns. Es ist uns auch für die anderen gegeben: „Auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen.“ Diese Freude zeigt, wer Gott ist, und wer unter uns am Werk ist. Johannes wird „vom Heiligen Geist erfüllt“ sein und wird anfangen, das zu verändern, was er anfasst.

Auf diese Weise bereitet uns die Kirche darauf vor, eine andere Frau zu betrachten, diesmal eine Jungfrau namens Maria, der etwas nicht weniger Geheimnisvolles geschehen ist als jenen beiden unfruchtbaren Frauen: das Ereignis der Inkarnation durch das Wirken des Heiligen Geistes, dem Maria mit ihrem Ja zugestimmt hat. Mit Weihnachten bringt uns der Herr diese frohe Botschaft. Sie aufzunehmen, hängt von jedem einzelnen von uns ab, von unserer einfachen Verfügbarkeit, uns von Ihm überraschen zu lassen, von Ihm, der uns mit Seiner Initiative fortwährend erreicht, hier und jetzt, „in dieser realen Welt“.

Wenn wir darum bitten und verfügbar sind für das, was der Herr unter uns mit Weihnachten wirkt, so werden sich viele in unserer Umgebung über „unsere“ Wiedergeburt freuen. Nur diese Neuheit wird jeden Menschen von der Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft überzeugen können, die ihn erreicht. Es reicht, daran zu denken, wie viele Menschen aus verschiedensten Kulturen sich heute über die Existenz einer Person wie Franziskus freuen und sich von ihm, in dem das Geheimnis diese Verfügbarkeit des Herzens vorgefunden hat, herausgefordert fühlen wie niemals zuvor.

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